Liebe Franziska, die gesamte Schulgemeinschaft ist stolz und gratuliert ganz herzlich zu dem sensationellen Erfolg!!!
Vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht, in dem du uns auf dein Abenteuer mitnimmst.
Das Abenteuer beginnt ...
Dass ich durch Biologie mal auf den Philippinen landen würde, hätte ich nie gedacht.
Begonnen hat meine Erfahrung mit der Internationalen BiologieOlympiade (IBO) bereits 2024, als ich die die schriftlichen Aufgaben der ersten Runde zuhause bearbeitet habe – kleine chemische Versuche mit Honig in der häuslichen Küche und Gedächtnisstudien, die meinem Umfeld wohl ziemlich bald zu den Ohren rauskamen.
Letztlich reichte es aber, um in die 2. Runde zu kommen und eine schriftliche Klausur in der Schule zu bearbeiten. Danach war ich erstmal sicher, dass die IBO an dieser Stelle für mich vorbei war und alle Vorbereitung umsonst gewesen wäre.
Überraschenderweise hatte ich es aber geschafft, durfte an der praktischen Runde in Kiel teilnehmen und schaffte es danach auch in die Auswahl des Nationalteams, ebenfalls eine praktische Prüfung in Kiel. Dort waren wir nur noch zu zwölft und alle ziemlich sicher, dass das Nationalteam für uns in weiter Ferne lag. Wir wollten die gemeinsame IBO-Erfahrung ein letztes Mal genießen.
Elias Fischer (Hessen), Leonore Fischer (Brandenburg), Leon Chen (Brandenburg) und ich waren also alle ziemlich überrascht, als wir erfuhren, dass wir auf die Philippinen fliegen würden und dort als deutsches Nationalteam antreten würden. Für Elias und Leon war es sogar das zweite Mal im Team.
Ein Maskottchen wird gewählt
Ein Schock, der uns alle in noch intensivere Vorbereitungen warf. Zusammen mit dem Team aus der Schweiz fuhren wir gemeinsam in ein Trainingslager nach Leipzig. Fische sezieren, Bioinformatik, Bakterien anzüchten, Pflanzenmikroskopie, Biologiebücher lesen beim Abendessen – eine sehr anstrengende, aber auch spannende Zeit, in der natürlich auch Kartenspiele und Ausflüge nicht zu kurz kamen.
Als wir Zeit hatten, Leipzig auf eigene Tour zu erkunden, nutzten wir diese, um uns einen Gefährten im Leipziger Zoo zu besorgen. Da die ursprünglich als Maskottchen angedachte Kuscheltierboa mit 300 kg etwas zu schwer für das Handgepäck war, entschieden wir uns schließlich für eine Meeresschildkröte, die wir kreativ „Bo“ tauften – Kurzform von „SchildI BO“.
Auf geht's zur Olympiade
Wir ahnten, dass der Schlafmangel auf den Philippinen nur noch schlimmer werden würde. Die angekündigten Taifune sorgten für Kopfzerbrechen und wirbelten unsere Flugpläne ordentlich durcheinander. Nach 8 Stunden Layover in Bangkok hatten wir mit Reiseyoga und gemeinsamen Flugplatzshoppingtouren aber auch das Teambuilding erledigt und kamen am 19. Juli in der Ateneo de Manila University an – natürlich im strömenden Regen.
Andere Teams hatte noch mehr Pech und verpassten teilweise die Eröffnungsveranstaltung in Quezon City, bei der die Teams sich vorstellten und mit traditionellen Süßspeisen, Gesang und Tanz begrüßt wurden.
Unsere Nervosität wegen der bevorstehenden Klausuren konnten wir trotzdem nicht ganz vergessen.
Die praktischen Prüfungen zogen sich aufgrund des Taifuns bis in die späte Nacht und so pipettierten, mikroskopierten und sezierten wir teilweise bis kurz nach Mitternacht. Thematisch ging es unter anderem die Anatomie eines Nördlichen Wittlings, einer heimischen Fischart, Herzinfarkte, Urinuntersuchungen, molekularbiologische Methoden zur Diagnostik von Parasiten und Unterernährung und verschiedene Bakterien und Pilze.
Die beiden theoretischen Klausuren, die zwei Tage später stattfand, beinhalteten noch mehr Themen, legten den Fokus aber auf die Auswertung von Daten. Auch hier drehte sich viel um lokale Besonderheiten: heimische Blumen und Meeresbewohner.
- Pause -
Dazwischen war noch ein Tag Pause, an dem die Schüler gemeinsam Biologiebücher für Grundschüler gestalteten – für mich hieß es leider Bettruhe und Tee trinken, da die philippinischen Klimaanlagen mir eine Erkältung mit heftigem Fieber beschwert hatten.
Als wir nach den Klausuren aber einen Mangrovenwald und den Strand besichtigten, konnte ich wieder teilnehmen und die philippinische Natur bestaunen, die wir zuvor nur aus Dokumentationen kannten. Auch die vielen neuen Kontakte zu Teilnehmern aus aller Welt waren ein echtes Highlight.
Allein deswegen hat sich die IBO für uns alle schon gelohnt, aber dennoch waren wir für die Preisverleihung ziemlich aufgeregt.
... und zu guter Letzt: Die Preisverleihung
Das deutsche Team durfte sich über ein großartiges Ergebnis freuen, jeder von uns konnte sich eine Medaille sichern – 1x Bronze (Elias Fischer), 2x Silber (Leonore Fischer und Leon Chen) und 1x Gold.
Dass ich überhaupt eine Medaille erhalten würde, hatte ich am Ende schon nicht mehr erwartet und dass es dann Gold werden würde, war ein echter Schock.
Mir hat diese Erfahrung einmal mehr klargemacht, dass Wissenschaft Zusammenarbeit und nicht Einzelarbeit ist. Ohne die Unterstützung meiner Lehrer auf dem FMSG, Herr Stobbe, der meinen Beitrag in der ersten Runde bewertete und mich danach weiterhin unterstützte, und meiner Biologielehrerin Frau Figura, die Kurse des rheinlandpfälzischen Landesbeauftragten, Kai Stahl, mein Laborpraktikum in der LfL und die langjährige Teilnahme am Heidelberger Life-Science Lab wäre das alles nicht möglich gewesen. Letztlich verdanke ich das auch den aufmunternden Worte meiner Eltern und Freunde, wenn ich wieder mal fürchtete, rausgeflogen zu sein (und ihrer aufopferungsvollen Teilnahme an meinen Gedächtnisstudie… danke und sorry für die schlaflosen Nächte).
Für die Betreuung der Auswahlrunden, des Trainingslagers und unseres Aufenthalts auf den Philippinen stand uns zusätzlich ein wundervolles Team an lokalen Guides und Betreuern zur Verfügung, zu denen ich vielleicht selbst bald gehören darf – und auch untereinander unterstützten sich die IBO-Teilnehmer, fachlich und emotional. Besonderer Dank an das Maskottchen Bo, das danach ein paar Mascaraflecken mehr hatte…
Es würde mich natürlich freuen, in einer zukünftigen IBO-Runde jemanden vom FMSG betreuen zu dürfen und ich kann euch allen nur empfehlen: Meldet euch an!
Nicht nur wegen der coolen Reise, einer Medaille oder des Studienstipendiums – die IBO ist in jeder Runde eine prägende Erfahrung voller toller Menschen und spannender Erfahrungen. Alle Teilnehmer, die ich bisher erleben durfte, konnten viel für sich mitnehmen und viele neue Freundschaften knüpfen.
#BibosaIBO – das Motto der diesjährigen IBO, ein philippinischer Ausdruck für Freunde und Motivation
- Franziska Maier