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"Schwerd und seine Nachfolger": Vortrag Prof. Dr. Lang

21. November 2017

Morde für eine Skelettsammlung.  Ein NS-Wissenschaftsverbrechen und  seine Opfer

Im KZ Natzweiler-Struthof (Elsass) ermordete im August 1943 der Lagerkommandant Josef Kramer 86 jüdische Frauen und Männer. Den Auftrag hatte er von der SS-Wissenschaftsorganisation „Ahnenerbe“. Die Skelette der 86 Opfer sollten in der „Reichsuniversität“ Straßburg präpariert und für Zwecke der Rassenpropaganda in den Sammlungen der Medizinischen Fakultät ausgestellt werden. Wer die Ermordeten waren, interessierte niemanden. Lediglich ihre KZ-Nummern waren notiert worden. Nach jahrelangen und weltweiten Recherchen hat Hans-Joachim Lang nicht nur die Namen dieser Frauen und Männer herausgefunden, sondern auch ihre Herkunft. Zudem gelang es ihm, zahlreiche Angehörige zu finden und mit deren Unterstützung die Lebensläufe zu rekonstruieren. Dank dieser Arbeiten erinnert heute auf dem Jüdischen Friedhof von Strasbourg auf dem Grab, in dem die Leichen nach dem Krieg anonym bestattet wurden, ein Stein mit Namen an die Opfer. Vor zwei Jahren enthüllten die Spitzenvertreter europäischer Institutionen zusammen mit dem französischen Staatspräsidenten an der Gaskammer von Natzweiler-Struthof einen Gedenkstein.

Der Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Hans-Joachim Lang war bis 2016 Wissenschaftsredakteur beim Schwäbischen Tagblatt in Tübingen. Er verfasste Bücher und zahlreiche Aufsätze über den Holocaust und über jüdische Geschichte, 2013 ernannte ihn die Universität Tübingen zum Honorarprofessor. 2016 berief ihn die Université Strasbourg in eine internationale Historikerkommission. Lang erhielt für seine Forschungen den Preis der Brüsseler Fondation Auschwitz (2004), die Leonhart-Fuchs-Medaille der Tübinger Medizinischen Fakultät (2008) sowie den Forscherpreis des Center for Medicine After The Holocaust in Houston (2017).

Der Vortrag beginnt um 19.30 Uhr im Foyer. Die Reihe des Fördervereins ist öffentlich. Der Eintritt ist frei.

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